Wirtschaftsfaktor Natur – „No business without biodiversity“

By on 29. August 2013

ww.naturalcapitalmarkets.org informiert über den Einsatz privaten Kapitals zum Schutz von Biodiversität und Natur

(pur). Auf einer neuen Website zeigen der Global Nature Fund (GNF) und die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH), wie Unternehmen in den Erhalt der Natur investieren können. Die Website ist Teil des vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und Bundesumweltministerium (BMU) geförderten Projekts „Online Informationsplattform für ‚Biodiversitätsmärkte'“.

Ziel der Onlineplattform Natural Capital Markets ist es, Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern einen Überblick über konkrete Umsetzungs- und Beteiligungsmöglichkeiten zum Erhalt der Biologischen Vielfalt zu geben. Anhand von Fallbeispielen wird anschaulich dargestellt, in welcher Weise die Gesellschaft von Biologischer Vielfalt abhängt und wie Unternehmen in den Erhalt der Natur investieren können. Die neue Website vernetzt Wirtschaft, Politik und Verbände und lädt zum Nachdenken über die Vorteile, die Schwierigkeiten und Risiken von marktbasierten Instrumenten zum Schutz der Natur ein.

Keineswegs wird mit der hier verfolgten ökonomisch geprägten Sichtweise der Eigenwert der Natur in Frage gestellt. Da diese ökonomischen Instrumente zwar ein großes Potential haben, doch ihre ökologische Wirksamkeit noch nicht bewiesen sind, soll auch über die Erfahrungen und möglichen Schwierigkeiten mit den neuen ökonomischen Instrumenten berichtet werden. Die neue Website (http://www.naturalcapitalmarkets.org) soll somit zur kritischen Reflexion über notwendige Voraussetzungen für die Marktentwicklung anregen und mit Hilfe von Best-Practice Beispielen zeigen, wie Unternehmen sehr konkret zum Schutz der Biodiversität beitragen können.

„Das Engagement von Unternehmen für die sie umgebende Natur ist weit mehr als Imagepflege: Es sichert langfristig ihre Existenzgrundlage“, erläutert der Geschäftsführer des GNF, Udo Gattenlöhner. Das Aufzeigen der Bedeutung des Naturkapitals sei geeignet, das Bewusstsein über diesen im Unternehmensalltag oft vergessenen Zusammenhang zu schärfen. „Wenn sich bei immer mehr Unternehmen das Bewusstsein einer faktischen Win-Win-Situation durchsetzt, bei der die eingesetzten Finanzmittel nicht nur gut für die Reputation sind, sondern auch für die Produkte oder Dienstleistungen, die das Unternehmen erzeugt und bereitstellt, gewinnt die Natur“, ergänzt der Leiter des Bereichs Naturschutz der DUH, Ulrich Stöcker.

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„Unser natürliches Kapital ist begrenzt. Verbrauchen wir es, stehen uns auch die damit verbundenen Ökosystemleistungen nicht mehr zur Verfügung. Der Finanzbedarf zum Erhalt der Biologischen Vielfalt ist groß. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Nicht-Handelns sind jedoch noch höher“ sagt der Fachbereichsleiter des Bundesamts für Naturschutz, Thomas Graner. Er baue darauf, dass unter deutschen Unternehmen ein wachsendes Maß an Verständnis für ihre Abhängigkeit von Ökosystemdienstleistungen entstehe. „Kommunen, Umwelt- und Naturschutzverbände wie auch die Unternehmen gewinnen mit diesem Projekt Klarheit darüber, wie sie ihrer gesellschaftlichen und unternehmerischen Verantwortung für den Erhalt der biologischen Vielfalt im Sinne der Nationalen Strategie der Bundesregierung besser gerecht werden können“, so Thomas Graner.

In diesem Internetportal wird eine Projektdatenbank mit guten Beispielen sowohl für Ausgleichsmaßnahmen mit einer größeren ökologischen Wirkung als auch für Honorierungsmodelle für Ökosystemleistungen präsentiert. Damit richtet sich das Informationsangebot vor allem an Kommunen und Unternehmen. Die Kommunen können erkennen, wie sie die vom Bundesnaturschutzgesetz vorgeschriebenen Kompensationsmaßnahmen bei Eingriffen in den Naturhaushalt so organisieren, dass sie zu einer höheren ökologischen Wirksamkeit und damit zu einer effizienteren Mittelverwendung beitragen. Die Unternehmen, die von den Leistungen der Ökosysteme unmittelbar abhängen, lernen Beispiele kennen, wie sie naturverträgliches Wirtschaften in der Wertschöpfungskette so anreizen, dass es ihnen hilft ihre Produktionsziele auf die naturverträglichste und gleichzeitig kosteneffizienteste Weise zu erreichen.

Hintergrund

Was ist Naturkapital? Warum brauchen wir marktorientierte Instrumente für den Erhalt von Naturkapital?

Von Naturkapital sprechen wir, wenn wir die mit der Natur verbundenen Werte und das Potenzial der Natur zur Generierung von ökologischen Leistungen zum Ausdruck bringen wollen. Intakte Ökosysteme und Biodiversität dienen dem Menschen als Lebensgrundlage und Basis von Wohlstand und Wohlbefinden. Unsere Mitwelt stellt „Naturkapital“ zur Verfügung, damit es uns gut geht.

Unser natürliches Kapital ist begrenzt. Verbrauchen wir es, stehen uns auch die damit verbundenen Ökosystemleistungen nicht mehr zur Verfügung. Der Begriff „Naturkapital“ ist eine Metapher für den begrenzten Bestand an physischen und biologischen Ressourcen auf der Erde, aus denen diese Güter und Leistungen hervorgehen. Ein artenreicher Wald versorgt uns mit nicht nur mit Holz, sondern auch mit Heilpflanzen, sauberem Trinkwasser und reguliert das Klima durch die Speicherung von CO2. Naturkapital wird jedoch weitgehend als frei verfügbares, öffentliches Gut angesehen, woraus sich zwei grundsätzliche Probleme ergeben: Für die Umweltkosten, die bei der Nutzung entstehen, müssen die Nutzer in der Regel nicht zahlen. Umgekehrt erhalten Akteure, die zum Schutz von Naturkapital beitragen, in den meisten Fällen keine finanzielle Gegenleistung – es sei denn, es gibt entsprechende staatliche Programme. Das heißt im Ergebnis: Die gesamte Gesellschaft kommt für die Kosten auf und die Anreize, freiwillig zum Erhalt des Naturkapitals beizutragen, sind zu gering.

Anlässlich der Konferenz der Biodiversitätskonvention (CBD) im Oktober 2012 wurde zum Erhalt des Status Quo ein jährlicher Betrag von 150 bis 440 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Dieser zunächst gewaltig erscheinende Betrag entspricht jedoch nur einem kleinen Bruchteil der durch die globalen Ökosysteme erbrachten Ökosystemleistungen, die auf mehrere Dutzend Billionen US-Dollar veranschlagt werden. Dennoch scheint die Staatengemeinschaft angesichts des aktuellen ökonomischen Klimas nicht in der Lage zu sein, den o. g. Minimalbetrag aufzubringen; heute ist es weniger als die Hälfte. Um die Summe aufzubringen, die zum Erhalt von Ökosystemen und Artenvielfalt notwendig ist, sollen in Zukunft neben staatlichen vermehrt auch private Finanzmittel mobilisiert werden.

Was sind Biodiversitätsmärkte?

Märkte für Biodiversität sind ein Instrument zur Internalisierung der externen Kosten. Im Idealfall werden die Kosten vollständig vom Verursacher von Schäden an der Natur bzw. vom Nutzer von Ökosystemleistungen getragen. Die Märkte werden entweder staatlich initiiert oder entstehen durch ein privatwirtschaftliches Interesse am Erhalt von Biodiversität und Natur, teilweise auch in Verbindung mit Gewinnerzielungsabsichten.

In Deutschland müssen diejenigen, deren Eingriffe in Natur und Landschaft die biologische Vielfalt erheblich beeinträchtigen (z.B. durch Bauvorhaben), einen angemessenen Ausgleich schaffen. Die gesetzliche Kompensationsverpflichtung kann über ein marktähnliches System (Ökokonten) abgewickelt werden, was sich bereits in einigen Bundesländern bewährt hat. Für den Biodiversitätsschutz kann daraus ein Vorteil entstehen, da Ausgleichsmaßnahmen vor dem Eingriff durchgeführt und gebündelt werden, so dass größere zusammenhängende Lebensräume geschaffen werden können. Unternehmen und andere Bauvorhabenträger, die ihren Kompensationspflichten nachkommen müssen, können über Ökokonten ihre Kosten für die Suche, Planung und Durchführung von Ausgleichsmaßnahmen reduzieren und die Planungssicherheit erhöhen.

Die Honorierung von Ökosystemleistungen – engl. Payments for Ecosystem Services (PES) – ist im Gegensatz zu Ausgleichs- und Ersatzverpflichtungen und Ökokonten ein freiwilliges Instrument zum Schutz der Biodiversität. Daran können Unternehmen Interesse entwickeln, wenn sie beispielsweise um die Qualität ihrer Produkte fürchten. Denn viele Unternehmen hängen direkt von ausreichend vorhandenem Naturkapital ab – seien es nun intakte Ökosysteme für den Tourismus, sauberes Wasser für Getränkehersteller, unbelastete Agrarrohstoffe für die Ernährungswirtschaft oder Holz für die Papierindustrie. Die Zahl entsprechender Unternehmens-Initiativen wächst. Zum Beispiel zahlen einige Wasserversorger wie die Münchener Wasserbetriebe sowie Getränkehersteller Landwirten in flussaufwärts gelegenen Gebieten monatliche Beträge für das ökologische Management ihrer Flächen. Konkrete Beispiele hierfür finden sich auf der Website.

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