Tropische Nächte mit kleinen Mängeln

By on 2. Februar 2014
© Fotos: fotolia, Uwe Schlüter, Grafik: Frachdesign

Urlaubsstimmung mitten im Berliner Winter, die nächtliche Pflanzenwelt mit Cocktails, südamerikanischer Live-Musik und botanischen Kurzführungen erleben, das ist es, was die Tropischen Nächte, eine Veranstaltung des Botanischen Garten Berlin, ihren Besuchern an insgesamt drei Wochenenden vom 10. Januar bis 1. Februar versprochen hat. Im großen Tropenhaus sollten Latin Beat Bands mit Salsa, Marengue, Bachata, Cumbia, Cha-Cha oder Rumba für tropische Rhythmen sorgen.

Als Teilnehmer einer selbsternannten „Reisegruppe“, so nannte eine der Teilnehmerinnen die Gruppe, deren Teilnehmer sie mit mitgebrachten Blumenkränzen ausstattete, um sie von der Masse der anderen Besucher abzuheben, besuchte ich die letzte der insgesamt sechs Veranstaltungen, gemeinsam mit meiner Lebensgefährtin.

Tropische Urlaubsstimmung, mitten im Winter, das klang gut, also hatten wir uns Karten für diese Veranstaltung im Vorverkauf besorgt. Vorfreude und Erwartungen waren groß. Umso ernüchternder war es dann auch gleich am Eingang zum Tropenhaus, als wir auf die erste Schlange trafen, und zwar keine tropische, sondern eine aus weiteren Besuchern. Gefühlt mehrere Hundert Veranstaltungsgäste drängten sich in einer Reihe vor dem Eingang zum Tropenhaus. Es ging nur recht langsam voran. Scheint gut besucht zu sein, dachte ich noch als eine Stimme vom Eingang ertönte und Mitteilte, dass nur anstehen müsse, wer auch seine Garderobe abgeben wolle. Und schon kam Bewegung in die Masse. Die Wartenden vom Ende der Schlange drängten nach vorne, was nun dafür sorgte, dass die Menschenmenge auf der Garderobenseite nun noch langsamer vorwärts kam. So entschlossen wir uns, meine Begleiterin und ich, ebenfalls, den schnelleren Weg zur Veranstaltung zu wählen und überholten nun selbst die anderen. Die Garderobe könnte man notfalls auch später abgeben, wenn sich der Andrang gelegt hatte.

Endlich im Gewächshaus, begaben wir uns auf die Suche nach den anderen Teilnehmern unserer „Reisegruppe“. Angenehm, feuchtwarme Luft und die versprochenen karibischen Klänge, sorgten auch durchaus schon für eine angenehme, entspannende Atmosphäre.

Nach einem kurzen Rundgang stießen wir auch tatsächlich auf unsere „Reisegruppe“ und erhielten zur Begrüßung den eingangs erwähnten Blütenkranz umgehangen. Alle saßen auf Gartenstühlen, die am Wegesrand aufgestellt waren und unterhielten sich oder schauten auf die Besucher, die mal in die eine, mal in die andere Richtung gingen. Strategisch ein günstiger Platz, dachte ich noch, nur unweit von der nächsten Bar und der Band, wo die temperamentvollen und spärlich bekleideten Tänzerinnen zu feurigen Latino-Rhythmen tanzen sollten. Ein Irrtum, wie sich noch herausstellen sollte. Zum einen gab es an dieser Bar kein Bier, das musste man sich von einer weiter entfernten Ausgabestelle besorgen und von den schönen Tänzerinnen war auch kaum etwas zu sehen. Zwar sind wir zum Ort, wo die Band spielte und die Damen tanzten hingegangen, aber zu sehen war nur wenig. Nur die Herrschaften in der ersten und vielleicht noch zweiten Reihe des scheinbar immer enger werdenden Kreises um die Akteure konnte etwas sehen. Die anderen konnten hin und wieder einen Blick auf die attraktiven Tänzerinnen erhaschen, wenn diese zur Pause gingen oder von dort kamen. Denn dann mussten Sie an der Bar vorbei.

Wäre die Musik ein wenig leiser gewesen, hätte man sich vielleicht tatsächlich vorstellen können, ihre Quelle sei ein wenig weiter entfernt und ein laues Tropenlüftchen trägt sie zu einem herüber. So wirkte sie irgendwann schon eher störend. Das liegt aber an den Gegebenheiten; auch ein Gewächsgaus ist, akustisch betrachtet, nur eine große Halle, und so klang es auch. Da bleibt der akustische Genuss halt ein wenig auf der Strecke.

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Die Aktionsfläche der Künstler hätte ruhig ein wenig erhöht sein dürfen, dann hätten wesentlich mehr Besucher in den visuellen Genuss ihrer Darbietungen kommen können und hätten vielleicht auch zum Mittanzen animiert werden können. So standen viele eher starr herum, versuchten den einen oder anderen Blick zu erhaschen oder nutzten Ihre Fotohandys und Smartphones, um die eine oder andere Szene einzufangen.

Auch den Einlass vor dem Tropenhaus könnte man vielleicht bei folgenden Veranstaltungen ein wenig verändern, um den ihn ein wenig zu beschleunigen.

Dennoch war es ein schöner Abend. Wann bekommt man schon einmal die Gelegenheit, sich die Pracht des Tropenhauses im Berliner Botanischen Garten mit Musikuntermalung anzuschauen. Auch mit einem Cocktail in der Hand eine der angebotenen Führungen mitzumachen dürfte für Interessierte einen ganz besonderen Reitz ausmachen.

Wird diese Veranstaltung also im nächsten Jahr erneut angeboten, sollte man sich durchaus an einem der Wochenenden die Zeit nehmen und sich auf Tropische Nächte im Botanischen Garten freuen. Wenn die kleinen Mängel bis dahin beseitigt wären, lohnen sich die 15 Euro Eintritt auf jeden Fall und wer die Eintrittskarten als Gruppe erwirbt, zahlte sowieso nur zehn Euro.

 

Beitragsbild: © Fotos: fotolia, Uwe Schlüter, Grafik: Frachdesign

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