Trinkwasser- und Energieversorgung in afrikanischen Ländern

By on 2. November 2014

Internationale Konferenz am Bodensee

(pur). Auch wenn Strom für viele Menschen ganz selbstverständlich ist: noch immer lebt weit über eine Milliarde der weltweiten Bevölkerung „off-grid“, das heißt ohne Zugang zu einem Stromnetz. Allein in Afrika müssen etwa 70% aller Menschen auf den Gebrauch von fossilen Brennstoffen wie Petroleumlampen und Dieselgeneratoren zurückgreifen. Die dabei entstehenden Dämpfe verursachen nicht nur Augen- und Atemwegserkrankungen, sondern tragen auch zum globalen Klimawandel bei. Außerdem bergen Petroleumlampen eine große Brandgefahr und sind mit vergleichsweise hohen Kosten verbunden.

Darüber hinaus kämpfen insbesondere in ländlichen Gebieten die Menschen mit einem nur unzureichenden Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitären Einrichtungen und Bildungsmöglichkeiten. Obwohl die Millennium Entwicklungsziele in diesem Bereich schon beträchtliches geleistet haben, haben nach wie vor rund 750 Millionen Menschen weltweit keinen ausreichenden Zugang zu sicherem Trinkwasser und 2,6 Milliarden Menschen leben ohne adäquate sanitäre Anlagen. Fast 90 Prozent der weltweit auftretenden Krankheiten gehen auf mangelhafte Wasserqualität zurück. Erkrankungen wie Cholera und schwere Diarrhö verursachen den Tod von über 5.000 Menschen täglich, darunter viele Kinder.

„Der Zugang zu sauberem Wasser und umweltfreundlich erzeugtem und bezahlbarem Licht sind für die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen in Entwicklungsländern essentiell und eine große gesamtgesellschaftliche Verantwortung“, sagt Udo Gattenlöhner, Geschäftsführer des Global Nature Fund. Die internationale Stiftung Global Nature Fund hat vor diesem Hintergrund gemeinsam mit den Partnern Osram AG und den kenianischen Unternehmen Light for Life und Thames Electricals das Projekt „Solar Energy for rural Kenya“ ins Leben gerufen, das durch den Bau sogenannter Wasser-Energie Stationen (WE!Hubs) ländliche Regionen Kenias mit einem Zugang zu kostengünstiger und umweltfreundlicher Solarenergie und sauberem Trinkwasser versorgt. Das Projekt wird von der Europäischen Union sowie der Siemens Stiftung gefördert. Die Siemens Stiftung unterstützt außerdem die Weiterbildungsprogramme, die direkt an den Stationen in Internet Cafés angeboten werden.

Im Rahmen dieses Projekts fand am 16. und 17. Oktober 2014 die Konferenz „Energy and Water Solutions in sub-Saharan Africa“ in Radolfzell am Bodensee statt. Gemeinsam mit einem internationalen Publikum wurden aktuelle Fragen, Herausforderungen und Lösungen moderner Entwicklungsprojekte im Bereich der Wasser- und Energieversorgung ländlicher Regionen Afrikas diskutiert.

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Mary Nduiga, Projektleiterin von Light for Life betonte, „die Tatsache, dass die Menschen im ländlichen Kenia damit Zugang zu sauberem Trinkwasser, Licht ohne Gesundheitsbeeinträchtigung und Kommunikationsmöglichkeiten haben, bedeutet nicht nur eine massive Verbesserung der Lebensqualität für die arme Bevölkerung, sondern bietet auch völlig neue Bildungs- und Beschäftigungschancen“.
Deutsche Konzepte für die Nutzung erneuerbarer Energien wurden den Teilnehmern im Solarpark Rickelshausen und in den Energiedörfern Mauenheim und Möggingen vorgestellt.

Hintergrund

Global Nature Fund und Living Lakes

Die internationale Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) setzt sich für die nachhaltige Entwicklung von Seenregionen ein und fördert Trinkwasserschutz und Umweltbildung in vielen Ländern der Erde. Um einen Beitrag zur Erhaltung dieser sensiblen Ökosysteme zu leisten, wurde im Jahr 1998 das internationale Netzwerk Living Lakes gegründet. Das Netzwerk ist mittlerweile durch 102 Partnerseen auf allen Kontinenten der Erde präsent. Alle Seen werden durch lokale Nichtregierungsorganisationen (NGOs) vertreten. Das Jahr 2013 wurde von der UN zum Jahr der Internationalen Wasserkooperation erklärt. Nicht nur vor diesem Hintergrund hat der GNF – 15 Jahre nach Gründung von Living Lakes – seine Aktivitäten im Bereich „Wasserschutz“ auf nationaler und internationaler Ebene weiter ausgebaut.

Netzwerk Lebendige Seen Deutschland

Das nationale Netzwerk Lebendige Seen Deutschland (NLSD) wurde 2009 gegründet und besteht derzeit aus elf Partnerseen, drei assoziierten Seen und sechs Partnerorganisationen aus Wissenschaft, Sport und Gewässerschutz. Das Netzwerk wird von der Anton & Petra Ehrmann Stiftung unterstützt. Zentrale Themen im Netzwerk sind, wie auch auf globaler Ebene, Eutrophierung durch Nährstoffeinträge, Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenarten und vielfältige Nutzungskonflikte.

WE!Hubs

Die Water-Energy Hubs (WE!Hubs) sind dezentrale, solar betriebene Energiestationen, die unabhängig vom Stromnetz arbeiten und die ländlichen Projektgebiete in Kenia zuverlässig mit erneuerbarer Energie und sauberem Trinkwasser versorgen. Mit dem WE!Hub Projekt wollen die Partner den Einsatz erneuerbarer Energien in Afrika fördern und Menschen den Zugang zu modernen Technologien zur Deckung von Grundbedürfnissen ermöglichen. WE!Hub ist ein Gemeinschaftsprojekt des Global Nature Fund, OSRAM, Light for Life sowie von Thames Electricals Ltd. Das Projekt wird von der Europäischen Union gefördert. Die Siemens Stiftung ist ein weiterer Förderer. Weitere Informationen auf http://www.we-hub.org

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