Fingerspitzengefühl und Lassowurf retten Großem Tümmler das Leben

By on 25. Juni 2014

(pur). Glück im Unglück hatte ein Delfin am Pfingstsonntag. Er hatte sich mit der Schwanzflosse in einem Seil verheddert, das zur Befestigung eines Plastikkanisters diente. Auf diese Weise markieren Fischer häufig die Positionen ihrer Netze und Reusen.

Den 8. Juni 2014 wird Tomislav Brozi wohl so schnell nicht vergessen. Mit Freunden machte er einen Bootsausflug nördlich der in der Nähe von Dugi Otok gelegenen Insel Rava, als er den Großen Tümmler entdeckte, der versuchte, sich aus dem Seil zu befreien. Die Bootsausflügler eilten dem Tier zu Hilfe und schnitten das Seil durch. Nun konnte es zwar wegschwimmen, zog aber noch immer den Kanister hinter sich her. Eine Annäherung war nun nicht mehr möglich. Geistesgegenwärtig erfasste Brozi die Situation und rief die Telefonnummer 112 an, die man in Kroatien für Hilfe jedweder Art kontaktieren kann. Von dort wurden die Wasserschutzpolizei aus Biograd sowie die kroatische Partnerorganisation der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V., VAL, verständigt. Glücklicherweise befand sich Tom Gomercic, Tierarzt und Vorsitzender von VAL, gerade in der Gegend. Er machte sich sogleich auf die Suche und fand das Tier in den Nachmittagsstunden in stark erschöpftem Zustand ein paar Kilometer südlich von Rava. Mithilfe einer um den Kanister geworfenen Schlinge gelang es ihm und seinem Kollegen, den Delfin vorsichtig ans Boot zu ziehen. Dann packten sie ihn an der Fluke und schnitten das Seil durch – Befreiung geglückt! Sogleich tauchte der Delfin ab, um noch ein paar Mal in Bootsnähe aufzutauchen – als ob er sich bedanken wollte.
Seine Rettung aus tödlicher Gefahr hat der Delfin der Hilfsbereitschaft beherzter Menschen zu verdanken. Ohne diese Hilfe wäre er wohl bald gestorben. „Möglich war die Rettung nur, weil zufällig anwesende Bootsfahrer und die Wasserschutzpolizei großes Engagement und Hilfsbereitschaft zeigten“, freut sich Tom Gomercic.

Dies ist auch ein Erfolg des Projekts „Rettung der letzten Adria-Delfine“ der GRD und VAL, durch das die Meeressäuger auch von immer mehr Einheimischen als schützenswerte Lebewesen wahrgenommen werden.

Aufruf

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Mit ihrem Schutzprojekt zur „Rettung der letzten Adria-Delfine“ will die GRD gemeinsam mit ihren Partnern von der Universität Zagreb die nur noch etwa 220 Große Tümmler (Tursiops truncatus) zählende Population vor dem Aussterben bewahren. Es sind die letzten Meeressäuger, die das ganze Jahr über in kroatischen Küstengewässern leben, nachdem die Mönchsrobbe (Monachus monachus) and der Gemeine Delfin (Delphinus delphis) in der Adria ausgestorben sind. Schon eine geringfügige Störung im ökologischen Gleichgewicht könnte für die kleine Population das Aus bedeuten. Obwohl die Meeressäuger seit 1995 gesetzlich geschützt sind, sterben noch immer 50% durch menschliche Einflüsse, wie Beifangtod in Fischernetzen, Überfischung, direkte Jagd und rücksichtsloser Wassermotorsport.

Wie jedes Jahr ruft die GRD Kroatienurlauber wieder zur Mithilfe bei ihrem Schutzprojekt zur „Rettung der letzten Adria-Delfine“ auf und bittet darum, Delfin- und Walsichtungen in der Adria zu melden. Die Meldungen liefern wichtige Hinweise zum Bestand und zum Verhalten der Meeressäuger und sind Teil der erfolgreichen Delfinschutzarbeit in Kroatien, die die GRD zusammen mit ihren Partnern von der tierärztlichen Fakultät in Zagreb im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts seit 1999 durchführt. Die Daten dienen neben anderen Erhebungen als Bewertungsgrundlage für Maßnahmen, um bedrohte Delfinbestände zu schützen und ihre Lebensräume zu erhalten.
2013 gingen bei der GRD insgesamt 234 Sichtungsmeldungen ein, darunter auch über zwei verletzte Delfine. Einer der Meeressäuger war nur knapp einem Abschussversuch mit Harpune entgangen. Glücklicherweise war das Geschoss nicht allzu tief in den Rücken des Großen Tümmlers eingedrungen, es löste sich nach knapp einem Monat von allein. Weniger Glück hatte der andere aufgefundene verletzte Delfin, dem Fischereigerät zum Verhängnis geraten war. Tief ins Fleisch eingedrungene und festgewachsene Netzreste hatten Wucherungen und Entzündungen verursacht. Die kroatischen Partner der GRD fanden den später auf den Namen „Košara“ getauften Großen Tümmler, nachdem eine deutsche Urlauberin die GRD darüber informiert hatte. Mit einer Rettungsaktion wollten ihn die Tierärzte medizinisch behandeln, doch gelang es nicht, ihn einzufangen, und kurze Zeit später war er in dem Gebiet nicht mehr zu sehen. „Trotzdem musste eine Rettung versucht werden“, erklärt Projektleiterin Ulrike Kirsch. „Es ging nicht nur darum, einem kranken Tier zu helfen, sondern im weiteren Sinne auch um den Erhalt einer winzigen Delfinpopulation.“ Denn nur noch rund 220 Große Tümmler leben das ganze Jahr über in den kroatischen Küstengewässern, die noch bis in die 1960er-Jahre mehreren Tausend Delfinen Heimat war.

„Wir bitten die Urlauber, auch Funde von gestrandeten oder toten Meeressäugern zu melden. Nur so können, wie das Beispiel von Košara zeigt, sofortige Rettungsmaßnahmen eingeleitet bzw. Todesursachen erforscht werden“, erklärt Ulrike Kirsch.

Die Sichtungen werden möglichst zeitnah online auf der GRD-Projektseite unter http://www.adriadelfine.de veröffentlicht. Dort finden sich auch Meldebogen, die online abgerufen (und ausgefüllt) werden können, sowie Hinweise zum korrekten Verhalten bei Begegnungen mit Delfinen, Walen und Mittelmeer-Mönchsrobben in freier Wildbahn.

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