Bloß kein Öko-Gelaber

By on 29. Oktober 2013

zeo2 im Herbst – Ausgabe 04/2013 des Umweltmagazins erschienen

(pur). Kann die Generation Ü30 noch einen grünen Blumentopf gewinnen? Oder sind Klima, Umwelt und Natur out? zeo2 wirft im Herbsttitel einen Blick auf die Festplatte der „Jugend von heute“ und ihr Engagement jenseits von Ideologien und großen Weltentwürfe.Während das Wissen um die großen Umweltprobleme wächst, haben sich die Formen des Engagements so radikal verändert, dass die Alten den Aktionismus der Jungen kaum noch wahrnehmen. Die zeo2-Titelgeschichte zeigt, wohin der Protestzug geht und welche Themen heute die Jungen motivieren.

Unter anderem mit Heini Staudinger, dem grünen Schuhfabrikanten, über den grandiosen Erfolg der Streiter gegen Massentierhaltung und Tierfabriken sowie einem Interview mit Luise Neumann-Cosel (27), die mit einer Genossenschaft das Berliner Stromnetz kaufen will sowie Martin Hausding (28), dem ehrenamtlicher Pressesprecher bei Greenpeace Berlin.

In den Standpunkten fragt zunächst WWF-Klimaexpertin Juliette de Grandpré nach dem Verbleib von Angela Merkel. Bislang war die Regierungschefin im Wahlkampf unterwegs und hat keine Zeit für die europäische Klimapolitik. Doch in der EU ist mit dem Emissionshandel eines der zentralen klimapolitischen Instrumente abgestürzt. „Es gibt noch ein wenig Hoffnung“, sagt Grandpré, dass sich das System wieder erholt. Aber warum schaut die Kanzlerin, die den Klimawandel einst zur „wichtigsten Herausforderung der Menschheit“ erklärt hatte, tatenlos zu, wie alles gegen die Wand fährt? Grandpré: „Was fehlt, ist ein klares Signal Deutschlands. Darauf warten alle – schon seit Monaten!“

Wir haben die Natur verlernt, hält uns der Autor Andreas Möller vor. Während wir dauernd über „die Natur“ reden, wissen wir immer weniger, was das eigentlich ist. Während wir über potenzielle Umweltkatastrophen des Jahres 2030 nachdenken, können wir nicht mal mehr die Getreidesorten auseinander halten.

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Leider kein Grund zur Entwarnung im neuen IPCC-Weltklimabericht, wehrt sich zeo2-Kolumnist und Klimaforscher Stefan Rahmstorf gegen die verharmlosende Umdeutung der aktuellen Veröffentlichung des Weltklimarats. Die Meere heizen sich rasant auf, der Meeresspiegel steigt ungebremst, die Gletscher schmelzen. Dass „Klimaskeptiker“ diese Ergebnisse gerne wegdeuten wollen, gehört inzwischen dazu, hilft aber nicht weiter.

Sterben für die Umwelt. Ob Edel-Prostituierte oder Öko-Kämpfer: Immer mehr Menschen wollen auch nach ihrem Tod noch Gutes für Klima, Natur und Umwelt tun. In ihren Testamenten vermachen sie Millionen an Greenpeace, WWF oder den Nabu und erklären das Weltnaturerbe zu ihrem Erbe. Oder den Schwarzstorch und die Rotbauchunke. Für die Umweltverbände sind die Öko-Vermächtnisse eine wichtige Einnahmequelle geworden. Mit Broschüren und Infoveranstaltungen konkurrieren sie um die Vermögen grüner Erblasser.

Erfolg gegen Massentierhaltung: Das Netzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken, hat seit seiner Gründung vor vier Jahren 50 große Mastanlagen für Massentierhaltungen verhindert. Überall wo die Hühner- und Schweinebarone auftauchen, um ihre stinkenden Monsterställe aufzustellen, bilden sich wehrhafte Bürgerinitiativen. Zählt man noch die vielen Projekte dazu, bei denen die dänischen, holländischen oder deutschen Investoren schon vor der Antragstellung wegen der anschwellenden Proteste kapitulierten, dann hat die neue Bewegung gegen die Massentierhaltung sogar mehr als 100 Tierfabriken vereitelt. „Und wir werden immer schlauer“, sagt Netzwerk-Gründer Eckehard Niemann.

Dogwalking: Früher ging Frauchen mit dem Hund Gassi. Heute schickt sie dem Dogwalker eine Mail. Der fährt dann mit seinem Transporter bis vor die Haustüre und lädt Max, Daisy oder Timba zum dreistündigen Waldspaziergang ein. Dort laufen die Hunde ohne Leine im Rudel durch den grünen Tann. Selbst mopsige, neurotische Stadthunde lernen dabei Manieren. Im freien Auslauf in der Gruppe verlieren sie ihre Zicken, werden schlank und sozial kompetent. Die zeo2-Redaktion war mit dem Berliner Dogwalker Lars Thiemann unterwegs – und kam trotz Wildschweinalarm gesund zurück. Allein Berlin zählt inzwischen 80 professionelle Dogwalker.

„Warum Überfischung subventionieren?“ Die EU-Fischerei ist auf einem guten Weg – eigentlich. Doch jetzt, wo es ums Geld geht, hört der Spaß auf. Der Christdemokrat Alain Cadec will den Fischern erstmals seit 2002 wieder Geld für neue Boote spendieren. Ende Oktober kann das EU-Parlament den Unsinn noch aufhalten.

Der Urwald von morgen: In Deutschland soll wieder mehr „natürliche Dynamik“ im Wald herrschen – das fordert sogar die Politik. Mehr Urwald, heißt die Devise, mehr Wildnis – aber geht das überhaupt…?

Weitere Themen:

* Wer kontrolliert eigentlich die Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken in Asien?
* Neues Leben für Parkhäuser, die zerfallenden Gotteshäuser des Automobilzeitalters
* Tödliches Schulessen: Gift im Speiseöl tötet 23 Kinder in Indien
* Ein frischer Wein, recycelte Produkte, Zahlenspielen sowie Kolumnen von Bettina Hartz und Peter Unfried

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