(Alte) Bäume haben es schwer

By on 26. April 2014

25. April ist „Tag des Baumes“

(pur). Begleitet von vielen schönen Worten und Baumpflanzaktionen wird am 25. April in Deutschland zum zweiundsechzigsten mal der „Tag des Baumes“ begangen werden. Wert und Würde von (Alt-)Bäumen wird man – einmal mehr – in den höchsten Tönen preisen. Die Realität aber zeichnet ein ganz anderes Bild: Vielerorts werden – ungeachtet ihrer besonders hohen ökologischen wie ästhetischen Wertigkeit – Altbäume gefällt. Sie seien krank, Äste könnten abbrechen, Schaden anrichten, heißt es dann stets in vorauseilendem Pflichtbewußtsein seitens der Verantwortlichen.
Verkehrte Welt. Wie man schnell bei der Hand ist, alte Menschen für krank und behandlungs- bzw. betreuungsbedürftig zu erklären, werden auch alte Bäume nur allzu gerne als „krank“ befunden und beseitigt, sobald sich der eine oder andere dürre Ast ausmachen lässt – die einfachste, preiswerteste, oft einträgliche Lösung eines herbeigedachten Problems. Sanieren – falls überhaupt nötig – würde ja kosten. Wert und Würde des alten Baumes? Schnee von gestern.
Ist nicht vielleicht eine Gesellschaft krank, die den normalen Alterungsprozess von Lebewesen nicht (mehr) als Normalität, sondern als Krankheit begreift und dem entsprechend agiert?
Raum zum Nach- oder gar Umdenken lässt ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom 6. März: Die Klage eines Autofahrers wegen eines Astes, der sein Auto beschädigte, wurde abgewiesen mit der Begründung, eine Kommune hafte für Schäden durch herabfallende Äste nicht in jedem Falle, das Herunterfallen von Ästen gehöre zum allgemeinen Lebensrisiko. Durch Vermeiden von Baumkontakten sogar auf Null senkbar.

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